Der Haus und Grundbesitzerverein Landshut

Die Anfänge des Vereins

Schreinermeister Eugen Lippert hatte als Initiator und Leiter des provisorischen Komitees für den 14. Dezember 1909 sowohl schriftlich als auch per Anzeige im Kurier für Niederbayern und in der Landshuter Zeitung alle Grund- und Hausbesitzer der Stadt in den Bernlochner Saal geladen. Die Resonanz war überwältigend. Lippert hatte für diese Einführungsveranstaltung Josef Humar, den 1. Vositzenden des Münchner Grund- und Hausbesitzer-Vereins, als Referenten gewinnen können. In seiner ersten Rede an die Versammlung ging Humar auf die Organisation der Hausbesitzer und deren wirtschaftliche Bedeutung ein. Im Jahr 1909 waren in Bayern bereits 34.000 und im Deutschen Reich 160.000 Besitzer in Vereinen organisiert.

Die Aufgabe der Lokalvereine sollte es sein, die Interessen der Mitglieder zu vertreten. Betont wurde ausdrücklich, dass diese Vereinigung nicht gegen die Stadtverwaltung gerichtet sei, sofern die Hausbesitzer nicht ungerecht belastet würden. Ziel sei vor allem, Einfluss auf die gesetzgebenden Körperschaften zu nehmen und als gemeinsame Vereinigung gegenüber den Versicherungsgesellschaften bessere Bedingungen für den Einzelnen auszuhandeln. In einem zweiten Beitrag ging Josef Humar auf die anstehende bayerische Steuerreform ein, durch die auf die Grund- und Hausbesitzer Belastungen zukommen werden. Mit einer gemeinsamen Vertretung könnte man hier Einfluss nehmen. Laut den Berichten zufolge sowohl in der Landshuter Zeitung wie im Kurier für Niederbayern wurden die Aussagen Humars mit großem Beifall aufgenommen. Auf eine während der Vorträge kursierende Liste hatten sich schließlich 100 Anwesende bereit erklärt, dem neuen Verein beizutreten. Nach der gelungenen Auftaktveranstaltung schloss Eugen Lippert mit dem Hinweis, dass in absehbarer Zeit eine Versammlung statt¬finden werde, in welcher die endgültige Gestaltung des Vereins mit Satzung erfolgen wird.

Inserat Landshuter Zeitung 14. Dezember 1909

Exkurs: Vereinsgründungen um die Jahrhundertwende

Diese Auftaktversammlung der Grund- und Hausbesitzer in Landshut steht in der Tradition des 19. Jh. und des Beginns des 20. Jhs., als sich Vereine aus unterschiedlichen Gründen bildeten. Um 1830 waren es vornehmlich karitative Organisationen, die ins Leben gerufen wurden, wie der Bürgerverein, in dem sich die wohlhabenden Landshuter um die Minderbemittelten kümmerten, aber auch kulturelle Vereine, wie der Historische Verein für Niederbayern. So folgten um die Mitte des Jahrhunderts die Sportvereine, zum Beispiel 1861 die Turngemeinde Landshut, oder die Soldaten- und Kriegervereine, die landauf landab gegründet wurden. Gegen Ende des Jahrhunderts waren es soziale Vereinigungen wie die Krankenunterstützungsvereine, die Interessen einzelner Personen vertraten.

Als logische Konsequenz kam es dann zur Entstehung von Grund- und Hausbesitzervereinen, die sich als Ziel die Interessensvertretungen dieser Klientel gegenüber Staat und Kommunen gesetzt haben. Schon über Jahrhunderte bestand ein Verhältnis zwischen Hausbesitzer und Mieter. In den Landshuter Steuerbüchern sind stets die Besitzer aufgeführt, selten werden Inwohner als Mieter genannt. Aber erst die gesetzlichen Reglementierungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schufen die Voraussetzungen für die Gründung von Grund- und Hausbesitzervereinen.

In Landshut war es am 17. Januar 1910 schließlich soweit. 39 Besitzer hatten sich wiederum im Bernlochner Saal eingefunden, um eine Vorstandschaft zu wählen, eine in der Zwischenzeit erarbeitete Satzung zu beraten und diese schließlich zu verabschieden.

Zum ersten Vorsitzenden bestimmten die Anwesenden Hauptlehrer a. D. Simon Hofmann und Schreinermeister Eugen Lippert zu dessen Stellvertreter. Mehrere honorige Mitbürger wurden in die Vorstandschaft gewählt z.B. Theodor Keerl und Carl Wittmann.

Bei der anschließenden Beratung der Statuten legten die Mitglieder fest, dass der Verein den Namen „Grund- und Hausbesitzerverein Landshut“ führt und die Wahrung und Förderung der berechtigten Interessen seiner Mitglieder im Sinne des Vereins bezweckt. Er vertritt ferner die Interessen gegenüber allen Behörden z.B. bei Einführung von Gesetzen oder polizeilichen Vorschriften. Ebenso fördert er die Vermietung und Verpachtung durch Herausgabe eines Wohnungsanzeigers. Ein Syndikat, Anwaltsbüro, soll für die Eintreibung ausstehender Mietzahlungen eingerichtet werden.

Von besonderer Bedeutung war die Ausarbeitung eines einheitlichen Mietvertrags mit Hausordnung. Als Grundlage diente die Regensburger Variante, die durch kleinere Veränderungen der Landshuter Situation angepasst wurde. Brauereidirektor Carl Wittmann, 1. Kassier, warnte vor einem zu eng gehaltenen Vertrag, denn nur die Hauptpunkte sollten bindend sein, während anderes einer freien Vereinbarung zwischen Vermieter und Mieter überlassen sein sollte. Schließlich wurde über dieses strittige Thema abgestimmt und der Verein nahm seine Tätigkeit auf.

Über die weitere Entwicklung in der Folgezeit ist wenig bekannt. Aus einer Zeitungsanzeige Ende der 1920er geht hervor, dass der Verein von seiner Auskunftsstelle in der Oberen Altstadt sein Domizil in die Papiererstraße 6 verlagerte, wo auch das Sekretariat unter Josef Schuster angesiedelt war. Im Landshuter Adressbuch des Jahres 1930 wird das Büro im Gewerbehaus am Regierungsplatz 542 erwähnt. Das Vorhandensein eines Büros und dessen Umzüge deuten daraufhin, dass der Verein sich für die Belange seiner Mitglieder engagierte.

Der Verein in der NS-Zeit

Erst anlässlich des ordentlichen Verbandstags der Bayerischen Haus- und Grundbesitzervereine am 5. und 6. Oktober 1935 erfährt man aus dem Grußwort von Hans Gast über die ersten 25 Jahre: „Der Verein ist mit Geschick und Glück durch diese Zeit gegangen und hat die Kriegszeit wie auch die Inflation überstanden“. Rückblickend ist der Verein seinen Zielen nachgekommen und hat die örtlichen Grund- und Hausbesitzer mit Rat und Tat unterstützt. Leider gibt es keine Archivalien, die Rückschlüsse auf die Mitgliederentwicklung geben.

Auf der Tagung des Jahres 1935 wird mit keinem Wort auf die Gleichschaltung des Vereins, die vom Zentralverband angeordnet worden war und die im Juli 1933 vollzogen wurde, erwähnt. Im Zuge dieses Vorgangs musste 1934 eine Satzungsänderung erfolgen.

Die Jahreshauptversammlung vom 15. Oktober 1937 beschloss schließlich noch die Namensänderung in Haus- und Grundbesitzerverein, um der Realität zu entsprechen, da die Mehrzahl der Mitglieder Hausbesitzer waren.

Wie sich die Entwicklung in der NS-Zeit weiter abgespielt hat und welche Auswirkungen der Zweite Weltkrieg hatte, lässt sich leider nicht quellenmäßig ermitteln. Es kann nicht gesagt werden, ob der Verein in der Kriegszeit noch agieren konnte. Wir wissen nur, dass der 1937 gewählte Vorsitzende Kurt Heinig im Jahr 1944 verstarb. Ob er für den Haus- und Grundbesitzerverein noch aktiv war, entzieht sich unserer Kenntnis.

Neue Herausforderungen in der Nachkriegszeit

Spätestens im November 1947 erfolgte eine Wiederbegründung, da eine Mitgliederliste mit rund 630 Einträgen vorliegt und die schon wieder auf ein reges „Vereinsleben“ verweist. Darüber hinaus fand am 16. November 1947 eine Mitgliederversammlung statt, auf der die Satzung neugefasst und beschlossen wurde. Hier wurden mit Sicherheit zum einen die 1937 aufgezwungenen Artikel geändert und zum anderen die Satzung den aktuellen Bedürfnissen angepasst.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war der Verein besonders gefordert, zerstörten Wohnraum im allgemeinen wie auch im eigenen Interesse wiederherzustellen. Zudem mussten neue Wohnungen aufgrund des Bevölkerungszuwachses durch Flüchtlinge und Vertriebene geschaffen werden. Landshut hatte bei der Einwohnerzahl um ein Drittel von 36.538 auf 49.783 zugenommen und ein konstantes Wachstum war absehbar. Vor allem in den Stadtteilen Wolfgang-und Bayerwaldsiedlung, Niedermayerviertel, Mitterwöhr und Klötzlmüllerviertel begann eine rege Bautätigkeit, um den ständig wachsenden Bedarf an Woh¬nungen zu decken.

Auf der Versammlung vom 21. September 1983 erweiterte der Verein seinen Namen „Haus- und Grundbesitzerverein Landshut und Umgebung e.V.“, um der Nachfrage aus dem Landkreis gerecht zu werden.

Ausgehend von den 39 Gründungsmitgliedern im Jahr 1910 hat sich der Haus- und Grundbesitzerverein in den 100 Jahren seines Bestehens auf nun 1.810 Mitglieder vergrößert. Im gleichen Zeitraum wuchs die Stadt Landshut von 29.018 auf 62.960 Einwohner an; hinzu kommt der Landkreis mit derzeit rund 150.000 Einwohnern. Einhergehend erweiterte sich das Aufgabenfeld des Vereins auch durch die zunehmenden gesetzlichen Vorgaben. Heute wie damals versucht der Verein seinen Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.


Aus junger und jüngster Vergangenheit gilt es zwei Ereignisse besonders herauszustellen:


Nach 1935 und 1985, also zum 25-jährigen und 75-jährigen Bestehen unseres Vereins hatten wir zum heurigen 100-jährigen im Mai 2010 zum dritten Mal den Landesverband mit den Vorständen und Geschäftsführern aus 110 Ortsvereinen zu Gast. Festredner der Kundgebung am 06. Mai des Jahres im gut besuchten Rathausprunksaal war Staatsminister der Finanzen, Georg Fahren-schon, zum Thema „Aufbruch ins neue Jahrzehnt - Perspektiven für Bayern“. Das Echo auf den Aufenthalt in Landshut war bei allen Besuchern sehr positiv, besonders auf den von unserem Verein ausgerichteten Gesellschaftsabend im Saal des Zeughauses der „Förderer“. Eine Musikgruppe der „Landshuter Hochzeit“ im Kostüm und ein Filmbeitrag über die Aufführung von 2009 wurden begeistert aufgenommen und ließen viele Besucher ankündigen, unbedingt zur nächsten Landshuter Hochzeit nach Landshut wieder zu kommen.

Karin Sopott, Irene Sigl

Schon lange hatte sich der Vorstand mit dem Gedanken getragen, als Mieter von Geschäftsräumen zum selbstnutzenden Eigentümer „aufzusteigen“. Das gelang uns zum 90-jährigen. Mit dem 01. April 2000 eröffneten wir unsere jetzige Geschäftsstelle in der Alten Bergstr. 174c, die wir zu günstigen Konditionen und ohne Finanzierungsnotwendigkeit hatten erwerben können. Hier haben unsere Mitglieder seither ihre Anlaufstelle, wenn sie Sorgen, Probleme oder Fragen mit und um ihr Grundeigentum bewegen. Und es wird auch reger Gebrauch davon gemacht, wir verstehen uns - die beiden Damen der Geschäftsstelle und und das Beraterteam - als Dienstleister an unseren Mitgliedern. Die professionelle Information, das Aufzeigen von Lösungswegen für alle Probleme rund um die Immobilie gehört zu unseren satzungsgemäßen und damit wichtigsten Aufgaben. Insofern wollen wir den Anforderungen an ein modernes Dienstleistungsunternehmen gerecht werden. Die Treue unserer Mitglieder und der stete Zuwachs unserer Mitglieder-zahlen ist uns Bestätigung.

Andreas Sigl

Beraterteam: Steuerberater Georg Stahleder, Rechtsanwälte Andreas Sigl. Dr. Stefan Strasser